Besichtigung der Eremitage Waghäusel

Artur J. Hoffmann wird uns am 07.12 durch die Geschichte der Eremitage in Waghäusel führen.
Teilnahme kostenlos. Wir sammeln eine kleine Spende für das Kloster Waghäusel.
SONNTAG 07.12   14 Uhr gehts los.
Treffpunkt 13.45 Uhr an der Eremitage


Den Grundstein zur Eremitage in Waghäusel legte am 26. September 1724 Damian Hugo Philipp von Schönborn, von 1719 bis 1743 Fürstbischof von Speyer. Bereits 1720 hatte er die Residenz von Speyer nach Bruchsal verlegt und dort mit dem Schlossbau begonnen. Damian Hugo überzog das Hochstift Speyer mit einem Alleesystem, das die neue Residenz Bruchsal mit herrschaftlichen Anlagen wie Schloss Kislau und der Eremitage verband und den Wald erschloss.

Der Begriff "Eremitage" stammt aus dem Französischen und bedeutet Einsiedelei. Ein Schloss dieses Typs sollte als "Rückzugsort ins Private" dienen. Stilprägend war auch hier der französische König Ludwig XIV., genannt "der Sonnenkönig", der schon in Versailles das Vorbild für zahlreiche absolutistische Residenzen geschaffen hatte. Die für sein heute nicht mehr existierendes Sommerschloss Marly-le-Roi verwendete, aufgelockerte Bauweise in Form eines von Pavillons umgebenen Hauptbaus verbreitete sich schnell in ganz Europa.

Die Speyerer Fürstbischöfe suchten in ihrer Waghäuseler Eremitage in unmittelbarer Nähe zu Wallfahrtskirche und Kloster sowohl Ruhe für religiöse Übungen wie Entspannung durch die Jagd.

Michael Ludwig Rohrer aus Rastatt (1683-1732), u.a. Baumeister des Speyerer Fürstbischofs und der Markgräfin Sibylle Augusta von Baden-Baden, plante die erste Anlage der Waghäuseler Eremitage, die von 1724 bis 1729 erbaut wurde. Der Hauptbau lag im Zentrum eines von Mauern umgebenen Wegesterns mit acht "Eremitenpavillons" zwischen den Hauptwegen. Der ursprüngliche Hauptbau war sechzehneckig. Über das eigentliche Dachgeschoss des Hauptbaus ragte ein "Belvederesaal" mit Fensterkranz und sechzehn Kaminen an der Außenwand. Dort brachte der italienische Freskomaler Giovanni Francesco Marchini, der auch Malereien im Bruchsaler Schloss ausführte, um 1732 ein Deckenfresko an. Dargestellt war das Innere einer in römische Ruinen gebauten Eremitenhütte. Die Eremitage Waghäusel beeinflusste auch spätere Bauten wie Schloss Clemenswerth im Emsland und das Jagdschloss auf dem Carlsberg bei Weikersheim.

Wohl durch den Würzburger Barockbaumeister Balthasar Neumann (1687-1753) angeregt, der seit 1728 auch in Speyerer Diensten stand, ließ Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn schon 1730 anstelle der kleinen und sehr einfachen Eremitenhäuschen vier zweistöckige Kavalierpavillons mit quadratischem Grundriss errichten, die mit einer Ringmauer verbunden waren. Der südöstliche Pavillon war für die Küche bestimmt ("Küchenbau"), der nordöstliche für die wachhabende "Garde zu Pferd und Fuß" ("Gardebau") und die beiden westlichen für die fürstlichen Gäste (südwestlich "Fremdenbau" und nordwestlich "Cavalierbau"). Im Westen der Anlage, in Richtung Oberhausen, schlossen sich der Ökonomiehof mit Zehntscheuer, Amtskellerei, Pferdeställen, Wachstube, Jäger-, Gärtner- und Zollhaus sowie zwei Weihern an.

Franz Christoph von Hutten, von 1743 bis 1770 Fürstbischof von Speyer, beauftragte seinen Architekten Balthasar Neumann im Jahr 1747 mit einer Erweiterung des Hauptbaus der Eremitage. Dieser baute vier neue "Flügel" oder "Ohren" an den Hauptbau an, so dass der heutige kreuzförmige Grundriss entstand. Die fürstbischöflichen Appartements und eine Hauskapelle waren im Erdgeschoss untergebracht. Die vier Kavalierhäuser wurden ebenfalls erweitert, und zwar um die hinteren Teile außerhalb der Ringmauer, erst dadurch erhielten sie ihren rechteckigen Grundriss. Unter Damian August von Limburg-Stirum, von 1770 bis 1797 Fürstbischof von Speyer, wurden 1783 im Eingangsbereich des Hauptbaus die Uhr und das Glockentürmchen sowie ein schmiedeeiserner Altan über der Freitreppe angebracht.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde das Hochstift Speyer aufgelöst, dessen rechtsrheinischer Teil mit Waghäusel fiel an den badischen Staat. Der letzte Speyerer Fürstbischof Philipp Franz Nepomuk Wilderich von Walderdorf behielt bis zu seinem Tod im Jahr 1810 ein Wohnrecht in den Schlössern Bruchsal und Waghäusel. Die Eremitage, für die man danach zunächst keine Verwendung mehr fand, entging der Versteigerung für einen geplanten Abriss nur dank des Einsatzes des Geheimen Finanzrates Bürklin.

Im Jahr 1837 kaufte die "Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation" die rund 13 Hektar große Schlossanlage vom badischen Staat und errichtete hier die bis 1995 bestehende Zuckerfabrik Waghäusel. Die ersten Produktionsgebäude für die Zuckerherstellung entstanden im ehemaligen Ökonomiehof. Im Lauf der Jahre mussten alle barocken Wirtschaftsgebäude neuen Industriebauten weichen. Die Grundlinien der barocken Anlage und einige Reste der Wegeachsen konnten sich aber überraschend deutlich in der Struktur der Fabrikanlage halten. Zwischen den Fabrikanlagen blieben einzig der Eremitage-Hauptbau, der von der Fabrikverwaltung genutzt wurde, und die Kavalierhäuser, die als Werkswohnungen dienten, erhalten.

Im südwestlichen "Fremdenbau" wohnten zeitweise die Fabrikdirektoren. Er wurde in den 1870er Jahren nochmals verlängert und erhielt eine Veranda in zierlicher Wintergartenarchitektur in Form der Gründerzeit. Das nordwestliche Kavalierhaus wurde 1968 abgerissen, um einem Melassetank Platz zu machen. Die übrigen drei Kavalierhäuser entgingen dem schon geplanten Abriss und wurden von 1988 bis 1992 mit Mitteln der Südzucker AG, der Stadt Waghäusel, der Denkmalstiftung Baden-Württemberg und des Landesdenkmalamtes renoviert.

Der Hauptbau der Eremitage blieb lange im Wesentlichen unverändert. Im Jahr 1860 richtete die Direktion der Zuckerfabrik für die protestantischen Beschäftigten, eine Minderheit in der überwiegend katholischen Gegend, einen Betsaal im Erdgeschoss mit eigenem Zugang und später auch eigener Kirchenglocke ein. Er wurde bis zur Fertigstellung der Waghäuseler Friedenskirche 1967 genutzt. Erst im Rahmen eines großen Umbaus in den 1920er Jahren wurde die barocke Freitreppe mit der eisernen Baldachin-Architektur entfernt, der Keller unter dem Eingangsbereich zugeschüttet und der heutige neuklassizistische Eingang geschaffen. Im Inneren wurde die ursprüngliche Raumaufteilung verändert und Zwischendecken entfernt, so dass in der Gebäudemitte ein dreigeschossiger Kuppelsaal entstand, in dem man vom ersten Stock aus bis zu Marchinis Deckengemälde sehen konnte. 1946 zerstörte dann allerdings ein Brand das Deckenfresko und die historische Dachkonstruktion

Quelle: www.waghaeusel.de

 

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